Die Kunst des Klöppelns

Spitzen für die halbe Welt

Ahrntal - Als das Prettauer Bergwerk vor nunmehr über 100 Jahren geschlossen werden musste, verloren sechzig Knappen, darunter 40 Familienväter, ihren Verdienst. Doch der damalige Pfarrer Johann Pescosta hielt rechtzeitig Ausschau nach neuen Erwerbsquellen für die in jener Zeit wirklich notleidende Prettauer Bevölkerung und kam schließlich aufs Klöppeln und mit finanzieller Unterstützung durch den Bergwerksbesitzer Baron von Sternbach und Graf von Enzenberg, ging man das Unternehmen gleich mit vollem Tatendrang an.

Bereits 1889 schickte der Prettauer Pfarrer drei Frauen nach Wien in den Zentral-Spitzen-Kurs, um das Handwerk von Grund auf zu lernen. Eine von ihnen, Anna Mittermair, absolvierte anschließend noch ein Praktikum in der Klöppelschule in Proveis und wurde nach ihrer Rückkehr als Klöppellehrerin in Prettau eingesetzt. An der neu gegründeten Klöppelschule brachte sie ihre Kunst den Knappenkindern bei, welche wiederum zuhause ihre Mütter in diesem Kunsthandwerk, das viel Fingerspitzengefühl benötigt, unterrichteten.

altes-kunsthandwerk-kloeppeln-und-spinnen-14-06-2017-c-jana-stolzlechner-16  Klöppeln (2)

Schon bald schalteten sich die aktiven Frauen auch in den Spitzenhandel ein. Thekla Kofler ging schon Ende den 1880er Jahre mit den Spitzen hausieren, veröffentlichte ihre Adresse in Modezeitungen und sorgte dafür, dass die Prettauer Klöpplerinnen 1893 auch auf der Tiroler Landesausstellung vertreten waren. Die Bestellungen blieben denn auch nicht aus, sogar in Amerika interessierte man sich für die Prettauer Spitzen. Ende der 1890er Jahre kam aus Paris sogar eine Anfrage, ob man antike Spitzen fertigen könnte. Man probierte und konnte Tausende von Metern liefern.

Die treibende Kraft des Klöppelgewerbes wurde schon bald Rosa Mittermair, die Tochter von Thekla Kofler. Sie konnte 1905 ebenfalls den Zentral-Spitzen-Kurs in Wien besuchen, klöppelte anschließend 6 Monate an einer österreichischen Ausstellung in London und schloss ihre Ausbildung in Wien mit einem Zeichenkurs ab. Ihr ist es hauptsächlich zu verdanken, dass sich das schöne Kunsthandwerk über die beiden Weltkriege hinüberretten konnte und auch heute noch im Tal eine große Tradition aufzuweisen hat.

1994 wurde von Seiten der Gemeinde Prettau ein Klöppelverein gegründet, der mittlerweile zahlreiche Mitglieder zählt. Jedes Jahr werden mit finanzieller Unterstützung der Deutschen und ladinischen Berufsbildung der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol Fortbildungskurse für Erwachsene und Kinder durchgeführt, um die Tradition weiterzuführen. Die Klöppelschule hat einen eigenen Ausstellungsraum, wo zu bestimmten Zeiten die filigranen Arbeiten besichtigt werden können. Bei einer Fahrt durch das Ahrntal, besonders durch das kleine Dorf Prettau, laden an vielen Hausfenstern ausgehängte Klöppelspitzen ein, ein Stück zu erwerben oder einfach nur zuzusehen wie so ein Kunstwerk entsteht.


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