Das Schwergewicht unter den Skitouren-Rennen: 100 kg pure Gaudi im Ahrntal
Normalerweise ist die Welt des Skibergsteigens ein Sport der Gramm-Fuchser: Carbon-Ski, ultraleichte Bindungen und Athleten, bei denen jedes überschüssige Kilo den Aufstieg erschwert. Doch im Ahrntal ticken die Uhren – und die Waagen – anders. Hier hat sich ein Event etabliert, das das klassische Bild des „Leichtgewichts-Sports“ mit einem Augenzwinkern auf den Kopf stellt: das legendäre „100 kg Skitouren-Rennen“.
Gleiche Chancen für alle – die Waage lügt nicht
Das Konzept ist so simpel wie genial: Um den sportlichen Mega-Ehrgeiz gegen eine ordentliche Portion Gemeinschaftssinn einzutauschen, müssen alle Teilnehmer am Start mindestens 100 Kilogramm auf die Waage bringen. Dabei wird nicht nur das reine Körpergewicht gemessen, sondern das gesamte „Kampfgewicht“ inklusive Skiern, Schuhen und Rucksack.
Wer von Natur aus (oder durch schwere Ausrüstung) nicht ganz an die Marke herankommt, muss nicht verzagen: Die Differenz wird kurzerhand mit Sandsäcken im Rucksack ausgeglichen. Für die Damenwelt gilt übrigens die charmante 70-Kilo-Grenze. So wird sichergestellt, dass am Ende nicht die genetische Veranlagung über den Sieg entscheidet, sondern die reine Kraft und der eiserne Wille, die Last den Berg hinaufzustemmen.
Nachtspektakel am Klausberg
Wenn die Dämmerung über dem Ahrntal hereinbricht, verwandelt sich der Klausberg in eine schimmernde Arena. Nur die Lichtkegel der Stirnlampen weisen den Weg, wenn sich das Feld der Skibergsteiger aufmacht, die Höhenmeter zur Bergstation auf 1.850 Metern zu bezwingen. Was als kleine lokale Idee begann, hat sich längst zu einer internationalen Attraktion entwickelt. Teilnehmer aus Deutschland und vielen anderen Ländern reisen eigens an, um Teil dieser „gewichtigen“ Gemeinschaft zu sein.
Sportgeist trifft auf Alpen-Idyll
Obwohl der Spaß und die Gaudi im Vordergrund stehen, ist die sportliche Leistung bei diesem Nachtrennen nicht zu unterschätzen. Dennoch ist die Atmosphäre nach dem Zielschuss geprägt von Lachen und dem Stolz, die Sandsäcke erfolgreich nach oben bugsiert zu haben.
Das Ahrntal bietet mit seinen beeindruckenden 80 Dreitausendern ohnehin eine der spektakulärsten Kulissen für Skitourengeher weltweit. Wer es lieber klassisch mag, findet hier tagsüber unzählige Routen durch unberührten Pulverschnee – dann meistens ganz ohne Sand im Gepäck, aber mit derselben Begeisterung für die Berge.